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Donnerstag, 16. November 2006
Die Th.J. – Flaschen und deren Echtheit
Von wein-sigihiss, 12:24

Eine Zusammenfassung des im Weingourmet 04/2006 erschienenen Artikels von Ullrich Sautter „Auf alt gebohrt?“

Von Sigi Hiss

In der aktuellen Ausgabe 4/2006 der Weinzeitschrift „Weingourmet“ ist ein Artikel über die wohl berühmtesten Weinflaschen der Welt zu lesen. „Auf alt gebohrt?“ ist der süffisante Titel. Verfasser ist Ulrich Sautter, ein Weinjournalist der die sachlich leise Art der Berufsausübung des Journalisten bevorzugt. Jedenfalls aus der Sicht des Autors dieser kurzen Zusammenfassung. So hat er sich auch diesmal sehr an den Fakten orientiert.

Es geht um einen Kellerfund in Paris aus dem Jahre 1985, den Hardy Rodenstock bekannt gemacht hatte. Ihm wurden damals Flaschen aus einem eingemauerten Weinkeller angeboten. Wie viele und vor allem welche Flaschen es genau waren, wurde nie offenkundig. Manche zweifeln diese Geschichte an, manche nicht. Unter anderem waren Flaschen mit den Initialen „TH.J.“ in dem Keller, die Hardy Rodenstock wohl aufkaufte. Diese Kürzel sollen für Thomas Jefferson stehen, dritter Präsident der USA.

Im Jahre 1991 gab es schon einmal einen Rechtsstreit zwischen Hardy Rodenstock und seinem damaligen Freund H. P. Frericks. Ein Labor wies nach, dass zumindest ein Teil des Inhaltes, der erworbenen Jefferson Flaschen, aus der Zeit nach den ersten Atomversuchen stammen musste.

Nun steht der zweite Rechtsstreit für den weltbekannten Weinraritätensammler Hardy Rodenstock an. Herr Bill Koch aus den USA hat im Jahr 1988 vier Flaschen bei verschiedenen seriösen Quellen erworben. Es handelte sich um je eine 1787er und 1784er Brane Mouton, bis 1853 der damalige Name des heutigen Mouton Rothschild. Eine 1787er und eine 1784er Flasche Lafitte machten das Quartett vollständig. Bezahlt der Bill Koch ca. eine halbe Million Dollar – da sollte schon alles echt sein, oder? Die Herkunft wurde mit dem damaligen in Paris gefundenen, eingemauerten  Keller angegeben.

Als Bill Koch die Flaschen dem Bostoner Museum of Fine Arts als Leihgabe zur Verfügung stellte, mutmaßte dieses es könnte Zweifel an der Echtheit geben. Zweifel kamen schon 1985 durch die Thomas Jefferson Memorial Foundation auf. Thomas Jefferson, der so ziemlich alles notierte, was ihm wichtig erschien – und Wein war es definitiv, hat keine Notizen über eine Bestellung oder Kauf dieser Flaschen gemacht.

Bill Koch investierte, laut dem Weingourmet, über eine Million Dollar in die Untersuchung der Flaschen. Das elementarste Ergebnis dieser Untersuchungen ist, dass die Gravuren von einem Zahnarztbohrer stammen soll. Diese Gravuren wiederum hat das bekannte Londoner Autionshaus, Christies als echt bestätigt. Michael Broadbent wiederum schreibt in seinem Buch „Vintage Wine“, dass Experten das Glas und den zeitgemäßen Schriftstil als echt bestätigten. Was nicht heißt, dass zwangsläufig auch die Gravur echt ist. Inzwischen sind drei Flaschen mit diesen Gravuren als Fälschung erkannt worden. Zwei davon schenkte Rodenstock Chateau D’Yquem, es lagen auch Sauternes im Pariser Keller.

Die Sprachwahl zwischen beiden Parteien hat indessen ein Niveau erreicht, dass eher dem eines Aldi Weines entspricht. Gespannt darf man auch sein, welche Version sich als echt und welche sich als falsch erweisen wird. Sollten sich die Flaschen als Fälschung herausstellen gleicht dies einem Erdbeben in der Weinszene. Der Schaden für Auktionshäuser, ehrbare Raritätenhändler aber auch für den privaten Weinliebhaber wäre nicht einfach so beiseite zu wischen.

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