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Donnerstag, 16. August 2007
2007 vor der ernte - pfalz
Von wein-sigihiss, 09:16

Die Rebenentwicklung in der Pfalz war 2007 durch einen extrem frühen Austrieb gekennzeichnet. Bei einem weiterhin günstigen Witterungsverlauf bis zur Ernte wird ein qualitativ hochwertiger Jahrgang erwartet.

Nach einem sehr milden Winter erfolgte der Austrieb bei der Rebsorte Riesling in Neustadt an der Weinstraße am 12. April und somit 12 Tage vor dem langjährigen Mittel. Es bestand aufgrund des frühen Austriebs große Gefahr, dass Spätfröste auftreten würden, was glücklicherweise nicht der Fall war. Die Monate April und Mai waren überdurchschnittlich warm. Im April lag die Durchschnittstemperatur mit 14,9 Grad Celsius um fast fünf Grad über dem langjährigen Mittel. Im Mai wurde das langjährige Mittel (14,3 Grad) um 2,5 Grad überboten. Entsprechend früh setzte im Kerngebiet der Pfalz die Rebblüte ein. In Neustadter Lagen konnte beim Riesling der Blütebeginn bereits am 23. Mai beobachtet werden, was einer Verfrühung gegenüber dem langjährigen Mittel um exakt drei Wochen entspricht.

Die Blüte verlief allgemein sehr zügig. Die Rebenentwicklung verzögerte sich nur in denjenigen Weinbergen, in denen die Blüte etwas später einsetzte und dann während der Blütephase niedrigere Temperaturen auftraten. Im Bereich Südliche Weinstraße kam es in dieser Phase zu leichten Verrieselungsschäden. Im Juni und Juli normalisierten sich die Temperaturen wieder. Beide Monate waren geprägt von häufigen Niederschlägen. Bei diesen für das Wachstum recht guten Bedingungen entwickelten sich die Trauben nach der Blüte rasch weiter. In Bereichen, in denen Verrieselungsschäden auftraten, sind die Trauben weniger kompakt. Auch weisen Burgunderanlagen, die mit Gibb3 behandelt wurden, relativ lockerbeerige Trauben auf. In diesen Anlagen besteht eine geringere Gefahr, dass sich Wunden durch Beeren-Abquetschung bilden und somit während der Reifephase frühzeitig Fäulnis einsetzt. Der Vegetationsvorsprung lag Anfang August noch bei rund zwei Wochen vor dem langjährigen Mittel. Somit dürfte die Lese in der Pfalz sehr früh beginnen. Mit dem Start der Hauptlese wird beim Müller- Thurgau in der ersten Septemberwoche gerechnet.

Aufgrund der ergiebigen Niederschläge im Jahr 2007 war im gesamten Anbaugebiet keine Bewässerung der Ertragsweinberge notwendig. Von größeren Hagelschäden wurde das Anbaugebiet Pfalz bis Anfang August weitgehend verschont. Es gab zwar lokal begrenzt einige Hagelschauer, jedoch ohne katastrophale Auswirkungen. Am Wochenende 14./15. Juli kam es kurzzeitig zu einer Hitzewelle mit Temperaturen von über 36 Grad Celsius, was teilweise zu sehr starken Schädigungen der Trauben durch Sonnenbrand führte. Da zuvor über einen längeren Zeitraum trübes Wetter mit moderaten Temperaturen geherrscht hatte, wirkten sich die plötzlich eintretenden hohen Temperaturen und die hohe Strahlungsintensität besonders negativ in denjenigen Anlagen aus, die erst kurz zuvor entblättert wurden. Die vom Sonnenbrand geschädigten Beeren trockneten allerdings rasch ein und es geht von ihnen vermutlich keine erhöhte Fäulnisgefahr aus. Da die Schäden stark verbreitet sind, wird sich der Sonnenbrand jedoch mengenmäßig negativ auf das Ernteergebnis in der Pfalz auswirken.

Hinsichtlich des Auftretens von Krankheiten und Schädlingen ist zu erwähnen, dass im April und Mai optimale Bedingungen für Oidium vorlagen und im Juni und Juli aufgrund der häufigen Niederschläge die Peronosporaentwicklung gefördert wurde. Ein stärkerer Befall konnte verhindert werden, weil die Winzer rechtzeitig reagierten und die zugelassenen Mittel bei sachgerechtem Einsatz sehr effizient waren. In vielen älteren Anlagen sind im Laufe des Sommers in größerem Umfang die Symptome der Esca aufgetreten und häufig auch Stöcke abgestorben. Probleme mit Schwarzfäule waren in der Pfalz bisher nur selten zu verzeichnen, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass es im Gebiet nur vereinzelt Drieschen gibt und somit ein höheres Befallspotenzial nur ganz lokal vorliegt. Wie bereits im Vorjahr, hat sich jedoch die Schwarzholzkrankheit weiter im Gebiet ausgebreitet. Es ist geplant, zusammen mit den Winzern entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. So soll beispielsweise die Große Brennnessel als Hauptwirtspflanze der Winden-Glasflügelzikade, welche die Bakterien überträgt, gezielt bekämpft werden. Die Regulierung des Heu- und Sauerwurmes mit Pheromonen klappte meist sehr gut. Die Grüne Rebzikade trat in manchen Weinbergen insbesondere in der ersten Generation in stärkerem Umfang auf. Es mussten jedoch in der zweiten Generation nur in wenigen Fällen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

In der Pfalz kann – Stand Anfang August – optimistisch in Richtung Herbst geblickt werden. Mit Ausnahme der Sonnenbrandschäden präsentieren sich die Trauben hier in einem hervorragenden Zustand. Es ist mengenmäßig mit einem guten Jahrgang zu rechnen. Der große Entwicklungsvorsprung, die vitalen Laubwände und die gute Wasserversorgung der Böden lassen eine qualitativ hochwertige Ernte erwarten, wenn die Witterung in den nächsten Wochen mitspielt.

quelle:  Kompetenzzentrums Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz

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