2007 vor der ernte - rheinhessen
Das Jahr 2007 scheint die phänologischen Daten des bisherigen Rekordjahres 2003 noch überbieten zu wollen. Nach einem besonders milden Winter mit Januartemperaturen, die um 5,1 ° C. über dem langjährigen Mittel und gar um 7,4 ° C. über dem Jahr 2006 lagen (kälteste Temperatur – 7,3° C. am 26. Jan. 2007 am Standort Oppenheim), setzte bereits um den 10. April der Austrieb ein und um den 20. Mai begann die Rebblüte.
Als Phänomen dürfte der Monat April 2007 in die Wetterstatistik eingehen. Kein einziger Tropfen Regen, eine Temperatur, die 5,5 ° C. über dem langjährigen Durchschnitt lag, und 330 Sonnenscheinstunden am Standort Alzey sind bis dato unerreichte Werte. An allen anderen Monaten im bisherigen Jahr hat es 15 bis 17 Regentage gegeben.
Warmes Wetter mit ausreichenden Niederschlägen im Mai und Juni machte in der Folge der Vegetation richtig Dampf, sodass bereits in der dritten Junidekade der Traubenschluss erreicht war. Mit dem Weichwerden der frühen Sorten und der Färbung der roten Sorten noch in der ersten Julihälfte war ein Vorsprung von drei Wochen gegenüber dem Vorjahr erreicht und selbst im Vergleich zu 2003 war die Entwicklung der Trauben ca. 10 Tage voraus.
Als kleine Besonderheit darf festgehalten werden, dass es speziell in windigen und höheren Lagen bei bestimmten Sorten (Riesling, Burgunder, Dornfelder) zu Verrieselungen (Jungfernfrüchtigkeit) kam, was sich Mengen reduzierend und Qualität verbessernd auswirken dürfte. Darüber hinaus erlitten die Weinberge am 14. und 15. Juli einen regelrechten Hitzeschock (von 20°C. auf 36 °C. innerhalb eines Tages), der vielerorts erheblichen Sonnenbrand an den Beeren auslöste, was dann in der Folge zum Absterben der betroffenen Beeren führte. Auch hagelte es vor allem im Monat Juni an verschiedenen Standorten in Rheinhessen. Die entstandenen Schäden sind jedoch, bezogen auf das gesamte Anbaugebiet, nicht relevant.
Dank eines inzwischen überall anerkannten Prognosedienstes und darauf aufbauender gezielter Rebschutz-maßnahmen der Winzer, konnten Schäden an den Reben verhindert werden. Dementsprechend vital sehen derzeit die meisten Rebanlagen aus. Da in Rheinhessen über Zweidrittel der Rebflächen mit Pheromonen (Duftstoffampullen) abgehängt sind, konnte die Verbreitung des Traubenwicklers (Sauerwurmes) erneut erfolgreich biologisch bekämpft werden. Zunehmend Probleme bereitet dem Weinbau jedoch die Ausbreitung der Esca- Symptome (Mittelmeerfeuerbrand), durch den primär ältere Rebstöcke relativ abrupt absterben. Eine wirksame Bekämpfung ist hier leider nicht möglich.
Der insgesamt recht kühle Juli ließ den Reifevorsprung zusammenschmelzen, so dass wir Anfang August bei den frühen Sorten noch einen kleinen Vorsprung gegenüber dem Jahr 2003 haben, während bei den späten Sorten dieser Vorsprung inzwischen aufgezehrt ist. Die erheblichen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, verbunden mit ausreichenden Wasservorräten dürften zu einer sehr guten Aromaentwicklung führen. Ein zusätzliches Kriterium für einen guten Jahrgang.
Bis auf den Monat Juli waren alle anderen Monate des bisherigen Jahres wärmer als das langjährige Mittel (im Durchschnitt 2,9 °C. am Standort Oppenheim). Und auch bei den Sonnenscheinstunden liegen wir mit 1263 von Januar bis Juli am Standort Alzey um rund 200 vor dem langjährigen Mittel. Die bisherigen Jahresniederschläge (Januar bis Juli) liegen mit 323 mm/qm ziemlich genau im langjährigen Mittel.
Bei weiter halbwegs normalem Witterungsverlauf dürfte die Lese der frühen Sorten in den klimatisch begünstigten Gebieten in Rheinhessen, je nach Betriebsphilosophie, um den Monatswechsel August/ September einsetzen, während in den anderen Gebieten ca. eine Woche später Erntebeginn sein könnte. Alle Winzer hoffen auf gutes Erntewetter und auch darauf, dass sich die Wetterkapriolen vom letzten Jahr nicht wiederholen. Wenn das Wetter in den nächsten Wochen mitspielt, können die rheinhessischen Winzer in Menge und Güte mit einem sehr guten Jahrgang 2007 rechnen.
quelle: Kompetenzzentrums Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz