Du befindest dich in der Kategorie: probiert.... Dienstag, 14. Februar 2006
ausone verticale 78 - 82 - 85 - 89 - 95 - 98 - 99 - 00 - 01 - 02
auf einladung konnte ich an diesem tasting & seminar der master of wine vereinigung teilnehmen. moderiert wurde diese veranstaltung von clive coates mw & dem besitzer alain vauthier. alle weine wurden ca. 2 std. vor dem beginn der probe dekantiert & dann zurück in die originalflasche gefüllt. der name ausone verweist auf den poeten ausonius, der im 4. jahrhundert gelebt hat. die weinberge von ausone sind südlicher & östlicher richtung gelegen. kalkstein & mergel sind die hauptbestandteile des bodens. Einzigartig unter den top gütern ist ausone, weil es das kleinste aller topgüter mit nur knapp über 7 ha rebfläche ist –die reben stehen auf kalksteinböden & hanglagen. jeweils die hälfte der weinberge ist mit merlot & cabernet franc bepflanzt & genau in diesem verhältnis werden auch die neu- oder wiederpflanzungen angelegt. ein nordwind & regen aus westen sind die wichtigsten klimafaktoren. von hagel & frost sind die lagen verschont. ausone hat einer der eindruckvollsten naturkeller im ganzen bdx. in der heutigen form soll er seit dem 16. jahrhundert existieren. stellenweise sieht man die wurzeln der reben durch die decke wachsen. jährlich werden ca. 16.000 fl. ausone produziert. die maischestandzeit beträgt zwischen 21 und 35 tagen. wobei eine 4-6 tägige kaltmazeration gemacht wird. mehr frucht & aroma ohne gleichzeitige tannin-auslaugung wird damit bezweckt. vauthier ist der meinung, daß so eine klarere frucht erreicht wird. es wird immer 100% neues holz verwendet & mindestens 18 monate dauert der ausbau darin. der abstich bzw. das abziehen wird alle 3 monate vorgenommen. laut vauthier sind die letzten 5 jahre nicht chaptalisiert worden. bemerkenswert - später mehr dazu. zu der frage was cabernet-franc braucht um topqualitäten zu bringen teilt vauthier mit, daß extrem niedrige erträge und die klonauswahl hierbei das wichtigste sind. für seine lagen bevorzugt er klone, die spät reifen. auffallend ist, daß die alkoholwerte, über die Jahrgangsfolge der verkosteten weine, stetig gestiegen sind. Wenn man nun die aussage betrachtet, daß ausone in den letzten 5 jahren nicht chaptalisiert hat, führt daß eindeutig zu der feststellung daß die traubenreife immer mehr hinausgezögert wird um höhere zuckerwerte zu erhalten. Ein teil der veränderung, welche im weinbergs-managment zu verzeichenen ist. die werte der einzelnen jahre:
dieser trend ist auf der ganzen welt zweifelsfrei feststellbar. ein rotwein mit weniger als 13,50% vol. alkohol hat es sehr schwer in vergleichsproben & auch beim konsumenten. der grund, warum ich das hier aufnehme ist, daß dies aus meiner sicht ein fataler trend ist. natürlich gibt es weine mit 14,5 % auf weltklasseniveau, aber solche exemplare sind eher rar. ich frage mich wie kann ein wein wie ein 47 cheval blanc oder ein 45er mouton oder ein 61 latour so gut sein mit so wenig prozenten? vauthier gab zu daß der alkoholgehalt auch bei ihm diskutiert wird. es ist gegen seine innere überzeugung, weine mit 14 & mehr prozenten zu produzieren. jedoch ist wein auch ein geschäft & deshalb sind die bewertungen der großen kritiker wichtig & da kommt halt kein wein mehr durch mit 12,5 % alkohol. serena sutcliff fügte hinzu daß die weine aus dem 19. jahrhundert mit 9-9,5% alkohol in heutigen labors gemessen wurden. im 20. jahrhundert waren es zwischen 10-11%. warum dies so niedrig war konnte keiner so richtig beantworten. sicher ist ein teil des alkohol in den feuchten kellern damals verdunstet - ebenso verhält es sich wohl mit der flaschenlagerung. Aber dies ist sicher nicht der hauptgrund, warum diese werte so niedrig waren. Eigenartig ist wie gut sich solche weine teils gehalten haben & daß sie auch heute noch grandios sind. 1978 - magnum, 26 hl/ha, sehr späte lese - 12-18 oktober: tief & komplex, gebrannter toast, etwas balsamico, dunkler karamel, rauch, speck, süsser malzgeruch - sehr eigene nase. leicht austrocknendes tannin, reife & saftige säurestruktur, kraftvoll, mineralisch im hintergrund, gewisse saftigkeit, reife struktur, touch von sherry, langer & eleganter abgang. 5-8 jahre auf diesem niveau. 1982 - 39 hl/ha, lese 20-28 september, aussergewöhnliches jahr in bezug auf das wetter & die sagenhafte frucht, sehr homogen ernte: offene aber etwas ungewohnt dumpfe nase, karamelisierter zucker, gebrannter toast & ein grandioser kork - was will man mehr. ich hatte aber notiert dass man hinter dem kork einen grossen wein erahnen kann. 1985 - magnum, 52 hl/ha, lese (3-8 oktober) war im libournais sehr einfach, klasischer jahrgang: anfangs klrer cassis, gepaart mit etwas stachelbeere & minze, danach aber eine leicht oxidative note....süslichersherry & etwas geröstet pistazie, trotzdem eine enorme komplexität. am gaumen wieder zuerst diese konz. cassis, mokka & erdig, tee. ganz grosse eleganz & feingliedrige struktur, wahnsinnig ausbalanciert mit sehr langem abgang. nicht die kleinste andeutung von oxidation, ein kompletter wein. noch 10-15 jahre. 1989 - magnum, 53 hl/ha, sehr frühe ernte zwischen 12-18 september, sehr trockener & heisser sommer, grosse & qualitative gut ernte: offen & reif wirkend, tee, getr. datteln, laub, sherry...tabak & cognacaromen im hintergrund, weit & tief, am gaumen elegant, balance, tief verwobene & feingliedrige struktur, kein powerwein, wieder getr. früchte, frische feigen, touch lakritze, "saftig" wirkende trockene mineralität, ein ein graziler fast schüchterner wein der mit zurückhaltung überzeugt. 1995 - 33 hl/ha, lese zwischen dem 19-24 september mit top wetterbedingungen: reife nase, tabakkiste, leder, rosinen, graphitnoten, wieder das kalkige, anfangs sehr offen - verschliesst sich etwas nach 20 min., am gaumen bis jetzt der absolut ausbalacierteste wein - grandios, ein samtiger fluss der sich über den gaumen legt. feinstes tannin....hochelegante & doch rückgrat bildende säure...perfekt eingebundener alkohol....mineralischer unterbau, extrem lang & komplexer abgang. stil ! 1998 - 36 hl/ha, lese zwischen dem 29. september & dem 6 oktober mit teilweise regen: anfangs offene nase, rumtopf, unterholz, etwas leder & kalkige noten, macht nach kurzer zeit zu. am gaumen wirkt der wein auch sehr zugeknöpft & fast etwas abweisend, für einen ausone relativ unbalanciert, trockenes & etwas hartes tannin, presenter alkohol, dichte mineralität, wenig frucht...sperrig, langer kompakter abgang. nochmal in 5 jahren probieren. 1999 - 33 hl/ha, lese vom 18.-28. september, kurz vor der lese traf ein hagelsturm die reben, boytritis: reif & etwas flüchtige säure, etwas hohler charakter, eingelegte schwarze früchte, touch von leder & balsamico, erdig, am gaumen spürbarer alkohol, reife tannine, reife säurestruktur, wieder rumtopf, lakritze, langer leicht alkoholischer abgang, könnte grade am beginn einer verschlussphase sein. der "schwächste" bis jetzt - relativ gesehen. 2000 - 35 hl/ha, späte lese vom 23. september bis 5. oktober, optimale wetterbedingungen, top lesegut: eher verschlossen kompakte & dichte nase, aber alles eben nur in ansätzen, cassis & schwarze kirschen gepaart mit holz, erdig, am gaumen dito, alles sehr kompakt & dicht aber verschlossen, im englischen drückt man es mit dem wort "tight" aus, für einen ausone eine gewaltig kompakte struktur, allerbeste anlagen zu einem absolut grandiosen wein....in 20 jahren möchte ich den wein nochmal probieren - ohne ausspucken !! 2001 - 28 hl/ha, sehr späte lese vom 2-6 oktober, der erfolg wurde im frühjahr im weinberg gelegt, klasische weine mit hohem lagerpotential: relativ verschlossen, frisches rote früchte, brombeere & etwas schwarze johannisbeere, im hintergund orangenschale & dez. gut eingewobenes holz, am gaumen fest...mineralisch - kalkig, spürbare säure, noch dichtes & kraftiges tannin, walnuss & etwas frische feigen, trotzdem elegant & rassig, momentan fehlt es etwas an der länge die mit der zeit sicher kommt. langläufer. 2002 - 31 hl/ha, späte lese vom 28. september bis zum 4. oktober, wenig verrieselung durch das micro-klima & guter resistenz dagegen des cabernetr-franc, top lesegut: reifes cassis & brombeere in der viel offeneren nase als beim 01, etwas zimt & zedernholz, kalkig, sehr komplex & elegant. am gaumen feine säure, reifes & etwas mürbes tannin, holz ist eingebaut, sehr präsente den ganzen gaumen schmeckbare mineralik - bis in den sehr langen abgang, leichte adstringenz am schluss. dürfte früher eif sein als 2001. fazit der verkostung: ausone kann man mit den begriffen eleganz - finesse - rasse beschreiben. eine mineralität die - wenn man die weine oft probiert - sehr gut erkennbar ist. das spezielle kalkige gaumengefühl ist schon eigen. ebenso ist erstaunlich die frühe reife in der nase & nichts davon ist am gaumen zu spüren. ausone ist für mich unter den top bdx unterbewertet. es sind im wahrsten sinn des wortes feine weine. jedoch braucht ein ausone nach meiner erfahrung doch einige jahre bis er zur reife gelangt. es sind weine die ich eher in die reihe karg & fest & rassig stellen würde, als in die weiche, mollige & dicke ecke. serena suttcliffe war von einem 1831er begeistert. sowas probiert unsereins einmal im monat....ernsthaft - ich bin ein absoluter fasn von ausone geworden, nach dieser verkostung !
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