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Montag, 30. Januar 2006
bericht 130 pino's weltweit in 2 tagen
Von wein-sigihiss, 19:01

hier nun der bericht

um die probe bzw. die bewertungen etwas zu beleuchten folgendes vorab:

  • es waren nur deutsche bzw. deutschsprachige verkoster anwesend. ein panel aus frankreich oder gar der usa hätte sicher anders gewertet. sicherlich würde die bewertung, hätte man die probe 1 woche später wiederholt, auch etwas anders ausfallen. jeder seriöse verkoster wird bestätigen, daß auch eine gewisse tagesform einzubeziehen ist. auch jene die jeden tag regelmäßig verkosten werden dies bestätigen. 
  •  
  • es gab bei einzelnen weine sehr starke unterschiedliche bewertungen – auch das ist normal. Deshalb sollte man das mittel sehen & nicht unbedingt einzelne ausreißer und seien sie noch so gross  
  • Die bedingungen waren optimal. Von dem schon erwähnten avinieren der weine, über temperatur, zeit für jeden wein...usw.  
  • wir wußten nur daß es sich um spätburgunder aus aller welt handelte – wie schon erwähnt gab es keine ordnung innerhalb der reihenfolge der degustation  
  • solch eine probe ist auch kein in granit gemeißeltes ergebnis & stellt der weisheit letzter schluß dar, sondern ein, zugegeben großes, puzzlestück in dem erfahrungsschatz spätburgunder

als bemerkenswert sehe ich das sehr gute abschneiden der deutschen weine an. 5 weine unter den ersten 10 ist mehr als beachtlich. dies ist sicherlich teilweise auf die tatsache zurückzuführen, daß es eben ein deutsches panel war. auf der anderen seite jedoch muß man sagen, daß einige dabei waren die als ausgesprochene burgunder experten & liebhaber gelten. Insgesamt war die probe eine herausforderung. ca. 65 weine pro tag zu degustieren ist zwar machbar, aber auch eine arbeitsleistung die nicht zu verkennen ist. hohe konzentration über den ganzen tag war gefordert.

zu den weinen bzw. regionen

deutschland schnitt aus meiner sicht überraschend gut ab. deshalb überraschend da doch unser „nachbar“ aus burgund immer noch als großes & schier nicht einholbares vorbild gilt. sowohl unter den nicht-winzern als auch besonders unter den winzern. meine vorhersage ging dahin, daß die neue welt & das burgund deutlich vorne zu sehen ist. den besten deutschen wein sah ich nicht im ersten drittel aller weine. es kam anders, was meine meinung daß deutscher spätburgunder durchaus mithalten kann und in einzelnen fällen vor den vorbildern sein kann, bestätigt. siehe die probe der grand jury aus dem ende der 90iger, wo der 1995 R von bernhard huber einige burgundische spitzen hinter sich ließ – gleich in mehreren verkosteten jahrgängen. und bei der damaligen probe war alles vertreten was rang & namen hat im burgund. nachholbedarf gibt es am ehesten (nicht nur) was das lagerpotential angeht. hier ist – im groben durchschnitt gesehen - der deutsche spätburgunder nach 10 jahren am ende seiner kraft, wobei die topweine aus burgund auch nach 25 jahren noch am leben sind. Oder auch länger wie der 1915 nuits st.- georges gezeigt hat – siehe unter http://sigihiss.beeplog.de/19384_56975.htm). 

im ersten drittel der 130 –also unter 43 - weine sind 22 deutsche darunter. dies ist fast schon als sensationell zu betrachten. zieht man meinetwegen die hälfte der weine ab des heimvorteils wegen, mit all seinen facetten, dann ist dies immer noch hervorragend. unter heimvorteil sollte man die faktoren deutsches panel, gesamtzahl deutscher weine & die tatsache daß der ein oder andere ausländische spitzenwein gefehlt hat. 9 burgunder & 11 weine aus der neuen welt sind unter den genannten ersten drittel – plus der wein aus ungarn von galbor. weiter sehr interessant ist die tatsache daß weine aus dem rheingau sehr weit hinten gelandet sind. hier spielt der innerdeutsche heimvorteil eine rolle – baden hatte doch ein übergewicht an verkostern & an weinen. ich selbst habe die rheingauer regelrecht verhauen – und nicht nur ich. die zu diesem zeitpunkt teilweise extreme nase nach johannisbeeren, wo man manchmal glaubte einen sauvignon blanc vor sich zu haben, fiel eher negativ ins gewicht. sauvignon blanc mit roter farbe hatte ich bei einem wein geschrieben – sorry liebes rheingau, aber da muß ich abbitte leisten. eure weine sind sicher weit unter wert geschlagen worden !

eine andere hier wieder unterlegte erfahrung ist, das man im burgund nicht von einem stil reden kann – auch dort gibt es sehr tanninbetonte.....säurebetonte.......früh trinkreife.....fruchtige....eher erdige......usw. weine. desweitern würde ich meinen, daß das burgund noch deutlich schlechter abgeschnitten hätte, wenn nicht fast alle verkoster mit burgundern aus dem burgund sich sehr gut auskennen.

diskutieren sollte man mal, an  anderer stelle, auch die vor & nachteile einer blindprobe. das ergebnis wäre sicher deutlich anders ausgefallen.

Angehängte Dateien:
pinot-vdm-web.xls pinot-vdm-web.xls (44 kb)

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