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Samstag, 31. Dezember 2005
89 phelan-segur & 90 lamothe-bergeron
Von wein-sigihiss, 19:27

89 phelan-segur: schlankes eher rassiges bukett, mit finesse, graphit, etwas lakritze, feines leder, jod, touch minze, eine tolle etwas aristokratische nase, am gaumen straff, dichte & mürbe tannine, passende runde säure, sehr gute balance, gewisse raße, rußige rauchige noten, wieder ein touch jod & graphit, kühl, langer abgang, sicher noch 5 & mehr jahre, sehr gut, am nächsten tag wirkt alles etwas molliger, es kommt eine deutliche bitterschoko-note & sehr reife schwarze johannisbeeren dazu. am gaumen wirkt der wein etwas rustikaler & der abgang wird ledriger (tannine)

90 lamothe-bergeron: offene & mollige nase, würzig, soja & liebstöckel, backpflaumen angebraten, speckig, rauchig, gaaanz im hintergrund reife anzeigend, sehr positiv für einen wein dieser preisklasse ! am gaumen sehr ähnlich - weich, rund mollig, deutlich backpflaumen, samtige tannine, spürbare säure, wirkt leichter als der phelan-segur, auch hier eine reife anzeigend - sehr dezenter reife ton. jetzt & 2-3 jahre. die säure kommt etwas hervor am nächsten tag & der wein wirkt matter.

die aussage "in großen jahren kleine chateaux & in kleinen jahren große chateaux" hat sich bei diesen 2 weinen wieder mal bewahrheitet. eine erfahrung die ich sehr oft mache. beide weine dürften damals so um 5-8 € gekostet haben. ein tour de by hatte damals so um die 5 € gekostet und war vor 7 monaten sehr schön zu trinken

 

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Sonntag, 25. Dezember 2005
die lalandes...89 + 90...keine zwillinge !!
Von wein-sigihiss, 20:01

die notizen wurden während des heutigen mittagessen in einem restaurant gemacht & ca. 6 std. später zuhaue in gewohnter proben-umgebung.

89 / mittags: sehr offene nase, weit, saftig, reifer holunder, cassis, zedernholz, rauchige komponente, kein anzeichen von reife, herrlich rotes fruchtkompott, schwarzkirsche, allg. einladend & mollig warm - man riecht vollreifes traubengut, am gaumen schmeichelnd, saftig, reife etwas dez. säure, reifes & samtenes tannin, schwarze kirsche sehr dominant, cassis, etwas lakritze & unterholz, eher dez. mineralik, frische pflaume, nicht neu ist daß man den für einen pauillac hohen merlot anteil deutlich spürt. langer molliger abgang, toll aber mir fehlt etwas die spannkraft im wein

89 / abends: anfangs aus dem klimaschrank fast keine nase, etwas rumtopf & eingelegte kirschen, am gaumen ist das fette verflogen, wein wirkt gradliniger, das tannin ist noch samtener, im abgang nicht mehr so mollig, gefällt mir jetzt noch besser, noch gute 10-12 jahre.

90 / mittgags: eher karge & kalkige nase, wirkt zugeknöpft, bleistift, grüne nüsse, lakritze, würze, tee, etwas tabak, ätherisch etwas, nasser schiefer, mehr charakter als der 89, edler & vornehmer, am gaumen zuerst abweisend, karg - wieder etwas kalkiges...mineralisch....leicht metallisches, streng, sattes tannin, nach ca. 30 min. öffnet sich der wein-  heißt: das metallische ist weg, tannin wirkt nicht mehr so satt, aromen wie pflaumen-etwas erdiges-sauerkirsche kommen dazu, aber immer ein strenger, gradliniger wein, rassiger als der 89, sehr langer leicht von tanninen begleiteter wein. wenn ich das berufliche mal weglasse gefällt mir der 90 besser weil er typischer ist...mehr komplexität & charakter hat...mit der zeit verstärkt sich diese meinung immer mehr.

90 / abends: wieder kalkige nase, steinig, stahlig, streng, etwas mehr dezente rote frucht, etwas grünes wie brennessel. touch minze, am gaumen sehr ähnlich zum mittag, nobel & streng, etwas aristokratisches, sehr komplex, macht noch einen jungen eindruck, könnte mir vorstellen daß er den 89 leicht überlebt - sicher 20 jahre. die fl. am vortag öffnen schadet sicher nicht !

gegensätzlicher können wohl 2 jahrgänge eines chateau nicht sein. auch ist normalerweise der 89 jahrgang der eher tanninbetontere & strengere. es gibt weine aus 89 wo das tannin evtl. die oberhand behält - bei pichon comtesse lalande ist es umgekehrt.

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Freitag, 23. Dezember 2005
exotisch & chaotisch - bericht
Von wein-sigihiss, 17:18

es kam noch ein 28 suduiraut dazu. was ne böse überraschung....schon mal vorab - die weine haben die erwartungen zu 101% erfüllt. es war eine unvergleichliche probe, allein schon wegen der zusammensetzung der weine. über den monetären wert der weine sollte man sich am besten keine gedanken machen. der cheval blanc war eine vandermeulen abfüllung mit top shoulder niveau. beim herausziehen des korkens hatte ich einen sehr langen moment das blanke entsetzen im gesicht. der korken kam sehr sehr leicht ohne grossen kraftaufwand & in einem rutsch heraus. ich hatte den verdacht das der korken eingetrocknet war & somit zu klein war, was bedeutet hätte, dass luft in die flasche gekommen wäre. die erleichterung kam beim probeschluck..... beide sauternes waren chateau-abfüllungen - upper shoulder / top shoulder. der burgunder war aus einem belgischen keller. alle angaben waren im kellerbuch verzeichnet. keine angaben auf dem korken & kein etikett. flasche, korken & kappe waren aber eindeutig original. wir haben sehr sorgfältig nach manipulationen gesucht und keine gefunden. auf den screaming eagle  - das hört sich jetzt dekadent an in anwesenheit von cheval & d'yquem - war ich am meisten gespannt. der mythos um den wein ist fast schon skuril zu nennen.

1915 nuits st.-georges: helles ziegelrot, leichte trübung, fliesst fast ölig ins glas. anfangs erdig, etwas muffig aber schon sehr schön. nach 10 min. öffnet sich die nase mit typischem reifen fast schon musigen himbeeren & erdbeeren. hohe eleganz & komplexität, tief, grazil, nach weiteren 15 min. kommt eine fast unglaubliche süsse hinzu....würzig...soja...dunkles karamell. extrem beindruckend - wir haben uns alle 3 ungläubig angeschaut. am gaumen kraftvolle nahezu perfekte balance...seidigkeit...samtigkeit aber mit noch spürbaren reifen tanninen & ich bilde mir ein mineralische noten zu schmecken. getr. feigen, wieder fast überreife himbeeren & erdbeeren, erdig, touch lakritze. wahnsinnig lang...struktur & balance at it's best !! unendlich tief....komplex.....lang. ich muss ehrlich gestehen dass ich mir die flasche, den korken & die kapsel nochmal geholt habe um sicher zu gehen dass da alles mit rechten dingen zugegangen ist. um mit den worten eines freundes zu sprechen:" da fliegen dir die schuhe weg".

1947 cheval blanc: erste nase - dunkelste bitterschokolade aber so klar & rein dass es fast nicht zu glauben war (sowas hab ich bis dato noch nie an einem wein gehabt) lakritze, tabak, eigelegte pflaumen rumtopf, konzentrierte amarena-kirsche, weit ausladend & offen, druckvolle nase, schwarz & tief, angebranntes karamell. sagenaft. hat etwas fast schon etwas arrogantes....von oben herab. so steht die nase im glas - so nach dem motto ..." schau wie du mit mir klar kommst" (ich weiss ist nicht sehr sachlich die aussage, aber dieser gedanke kam mir). am gaumen wird druck ausgeübt, sehr konzentriert, port-aromen , weite grosse struktur, rum, getr. kräuter, teer, etwas trüffliges, dunkles mousse au chocolat. edle bitterschokolade, der wein steht sicher 1 minute am gaumen, noch kraft, keinste anzeichen von schwäche. grandios der wein verzieht nicht die geringste grimasse - auch nach 2 std nicht.

2002 screaming eagle: dichtes schwarzrot, erste nase konz. - mittlere intensität, wirkt enorm kompakt & kraftvoll, zu den aromen: erwartet hatte ich sehr konz. rote & schwarze marmeladige aromen. casis pur..usw. aber nichts von alledem sondern: mineralität, tee-noten, etwas tabak, leicht moosig, deutliches aber nicht zudeckendes barrique, getr. äste, schwarzer pfeffer, dezente schwarze kirsche & johannisbeeren, verdeckt auch etwas leder. nach 1 std. wird die nase offener & das barrique kommt etwas deutlicher. am gaumen eine unglaubliche dichte & kraft. wie in beton gegossene  struktut... heisst der wein wirkt unerschütterlich. trotzdem ist er nicht fett oder monolytisch - kein neue welt süsse. gut eingebundener akohol, säure & extrakt im einklang, sehr mineralisch, mit aromen die an bleistift - leder, kräuter der provence erinnern (lesegut muss top reif gewesen sein), barrique sehr gut eingebunden obwohl deutlich schmeckbar. der wein ist 10 jahre zu jung & hat sicher 20+ jahre vor sich. ein wein mit grossem charakter !! irgendwie fühle ich mich an einen latour erinnert - nicht von der aromatik sondern von der struktur ...kraft. ein kalifornischer latour...?

1937 d'yquem: sehr offene & dichte, weite nase, cognac, gerste, feines süsses malz, dunkler honig, feines toffee, süss, extrem tief,man kann noch hundert aromem rausriechen. getr. aprikosen, feigen, quitten, frisches brioche & brotrinde, wirklich grandios. diese fl. ist deutlich besser als jene vor ca. 1 jahr.am gaumen dichte balance von süsse & säure, kraftvoll, steht ewig am gaumen, der wein explodiert förmlich, creme brulee, frische feigen, kandierte ananas, helle schokolade, rosinen, steht extrem lang am gaumen.  sicher noch 20 jahre wenn die fl. so top ist wie diese !

1928 suduiraut: nicht die opulenz wie der d'yquem, wirkt karger, wirkt trockener, getreide, bisquit, brioche, getr. aprikosen, sehr elegant & komplex, feingliedrig, dez. heller honig, offen, verändert sich wenig innerhalb 2 std., auch nach 4 std. keinste anzeichen von schwäche, am gaumen schönste balance, finesse, leichter als d'yquem, eine ballerina & kein kraftsportler, wieder getr. aprikosen, etwas vanillige creme brulee, strohig, dez. mineralität, sehr langer...feinergliedriger...eleganter abgang. ich sehe beide auf augenhöhe - momentan würde ich den suduiraut vorziehen, obwohl keiner von beiden besser ist als der andere - nur eben grundverschieden. hier ein ferrari & dort ein rolls-royce - beide sind einzigartig.

 

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Donnerstag, 22. Dezember 2005
der alte mann und ....
Von wein-sigihiss, 13:25

michael broadbent, master of wine und grandseigneur der weinwelt, mit silberfarbener haarpracht, schaut mit charme und witz unter der brille hervor. Es umgibt ihn eine starke aura, die sofort zu spüren ist, sobald er den raum betritt. Nichts von stargehabe oder ich-weiß-mehr-als-ihr-alle-zusammen-getue. Sehr freundlich und nett....ein opa mit seinem enkel  auf dem schoß dem er geschichten erzählt. So in etwa wirkt er auf mich.

selbstdarstellung ist michael broadbent absolut fern. man merkt, ja spürt fast körperlich daß er seine geschichten & erfahrungen einfach nur mitteilen will und daran immer noch große freude empfindet. und egal wie man zu ihm steht, oder was man von ihm als weinexperte hält – seine erfahrungen und geschichten um den wein sind ebenso faszinierend wie lehrreich. manche sagen, er sei nicht mehr up to date oder habe den zug der zeit verpaßt – da dürfte ein wenig neid darüber mitschwingen, was er alles verkostet hat. ein wenig hat es mich wirklich an meinen opa erinnert wenn er mir auf der treppe vor seinem haus geschichten von gott und der welt erzählt hat und ich gespannt zugehört habe. vielleicht klingt das alles etwas altmodisch und verklärt – mag sein – aber ich genieße so etwas sehr.

man sieht und lernt viele mw’s kennen in london, man hat fast das gefühl es gibt tausende davon, aber nur wenige sind so unprätentiös wie er.

so und nun zum eigentlichen anlass diese kleinen berichtes: eine chateau-latour-horizontale aus vier jahrzehnten.

es stellt sich schon eine gewisse ehrfurcht ein wenn man die flaschen so in einer reihe stehen sieht – jedoch sobald die weine im glas sind steigt die konzentration schlagartig und die „arbeit“ beginnt. gibt es eine schönere „arbeit“ als weine zu verkosten & sie dann nachher noch zu genießen ?  NEIN !!!

alles sitzt gespannt da und wartet bis michael broadbent seine erfahrungen zum besten gegeben hat, ich bin der einzige der die weine anfängt zu probieren........oha...egal. der alte mann verändert sich nicht in den nächsten minuten....die weine sehr wohl. also weitermachen.

es werden immer zwei weine eingeschenkt - verkostet und dann besprochen..... das heißt in der praxis, der alte mann kramt in seinen archiv und erzählt davon wie der wein damals in jungen jahren war........wie bob mondavi in den  70igern nach Bordeaux kam, um zu lernen wie bordeaux gemacht wird und wie er schmeckt.....über gespräche mit andre l. simon .

notizen: http://sigihiss.beeplog.de/19384_41457.htm

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Mittwoch, 21. Dezember 2005
d'yquem vertical 67 - 88
Von wein-sigihiss, 10:43

die probe part 1 fand in london am 1. november 2004 statt - part 2 am 23.november, gleicher ort. moderiert wurde die vertikale von serena sutcliffe mw & ihrem mann david peppercorn mw. der cecwine club war der veranstalter. es wurde in 2 proben-abende aufgeteilt, um für jeden wein genug zeit zu haben. auch sind die jahrgänge nicht chronologisch sondern nach der zu erwartenden qualität - also die schwächeren jahre als erstes. zum punkt schwächer später mehr dazu. fast alle flaschen waren von sotheby & in perfektem zustand ! auch der schwächste wein war immer noch trinkbar  - nichts was man wieder ausgespuckt hätte weil es so schlecht war (außer kork)  

part 1  

1968: dunkle farbe, cognac nase, bisquits, rosinen, etwas gebrannter zucker, crème brulée, volle fast ölige nase, nach 15 min. kommt sehr deutliches karamell dazu. eine fast perfekte nase aus einem schlechten jahrgang. alle waren extrem überrascht. am gaumen eine sehr schöne reife & eleganz. finesse, säure ist zwar reif steht aber etwas hervor - bringt frische in den wein, gut ausbalancierte süsse, karamell, toffee, etwas vanille creme, touch orangen. weitere 10 jahre auf diesem niveau.

1969: recht dunkle farbe, ganz andere nase als 68, verschlossener, tabak, nach 10 min. orangen-mandarinen, zitronenschale, touch kandierte früchte, aber alles viel kleiner als beim 68. am gaumen sehr gereift, weniger druck, zart, säure auf dem vormarsch - prickelnd, hat was von einer ruländer ba, orangat, wieder etwas orangenschale (bitterkeit einer schale). trotzdem wiederum eine positive überraschung. macht immer noch freude. in den nächsten 3-5 jahren trinken.

1973: kork. anfangs war es schwer den kork zu definieren - der wein war dumpf & unklar, unsauber. nach 20 min. kam auch das tca durch. schade

1977:helle farbe - hellste bis jetzt, säuerlich, bohnerwachs, sehr verschlossen, nach 10 min. etwas kandierte früchte & rosinen, zitronenschale, unsauber & unklar, hohe flüchtige säure, nach 30 min. medizinal am gaumen kurz, unruhig, alkoholisch & bäuerliche struktur, keine eleganz, ??

1978: etwas dunkler als der 77, relativ offen aber sehr grazil, trockene nase, sehr wenig boytritis, semillon nase, wachs, unreife limone, heu, touch seifig, nase wirkt wie wenn man sie geprügelt hat, eigen aber immer noch gut, am gaumen eine frische säure, nase hat die beschreibung vorgegeben - sehr wenig boytritis, wenig süße, dichte fehlt, relativ kurz, eher zart, noten von unreifen orangen-zitronen, wirkt eher wie ein halb-trockener wein, bald trinken

1975: sehr dunkel, verschlossenen aber feste & konz. nase, zartes holz, marzipan, kokos, fette rosinen, bailley's cream, süsslich cognac nase, nach 30-40 min. öffnet sich die nase: vanille, zimt, sahne. touch süßlicher malz. am gaumen sehr konzentriert aber verschlossen, (wolf im schafs-pelz fällt mir spontan ein), voll...ölig....kompakt, süß.....1 tag vorher dekantieren !! hat noch alles im überfluß, cremig, weitere 20-30 jahre. grandios !!

1971: etwas heller als 75, sehr kompakte & verschlossene nase, helle nase d.h. grapefruit-reife birne, etwas würzige vanille, zuckermelonen !!, reife limonen, frische feige, nicht von rosinen oder karamell. am gaumen power & kraft, konzentriert, süß, feines holz, reife helle früchte, touch von lakritze, reife säure, dezente mineralität, lang & dicker abgang, mit luft wird alles ein bisschen dunkler...es kommen crème brulée-gebrannter zucker & feine rosinen dazu. große struktur, noch locker 20 jahre

1970 (warum der 70 nach dem 71 kommt ????): sehr helle farbe, sicher wenig boytritis, säuerliche nase, saurer apfel, dann madeira aromen, melasse, nässe, sehr trocken wirkend, oloroso sherry, am gaumen frische säure, mineralität, frische helle früchte, vor allem pfirsich & aprikosen, sehr untypisch, ein mittellanger trockener abgang mit deutliche getrockneter aprikose. ???  

1967: (war der erste jahrgang von alexandre de lur saluces). anfangs verschlossen, tabak, getr. laub, dann etwas flüchtige säure, aber dann: nach 20 min. im glas kommt er, . voll & offene nase. hochfeine & reife bananen mit crème brulée, würzig, etwas verbranntes milch, gekochte sahne, sehr tief & komplex. verändert sich ständig, am gaumen sehr elegant & komplex, tief, nüsse, frische feigen, datteln, konz. reife ornagen & ananas, nahezu perfekte balance von süße, alkohol & säure. sehr sehr lang, finessenreiches finish, genial hat sicher noch 10-15 jahre vor sich

part 2

1979: helle farbe, offene nase, rosinen, feines karamell, touch tabak, frische feige, getr. aprikose, mit etwas mehr luft gewinnt die nase an tiefe. am gaumenfeste süsse, reife stützende säure, mittlerer körper, wirkt frisch, mineralien, mittlerer bis langer abgang der etwas plump wirkt, toller wein aus mittlerem jahr. dürfte sich auf diesem niveau sicher noch ein paar jahre halten, wird aber nicht besser

1980: grazile nase, burned sugar, etwas blütenhonig, leicht, etwas unsaubere nase, eher eindimensional. am gaumen rassige säure, wenig süsse, leicht, aprokose & künstlicher pfirsich, dez. honig, wirkt frisch, mittlerer von der säure dominierter abgang, dumpfer nachhall, guter wein aus sehr schlechtem jahr. trinkbar ? ja - absolut.

1981: sehr dunkle farbe, stinker, käsig, ranzig, hohe flüchtige säure, mandel, bitterorange, unsauber, verliert sich auch nach 1 std. nicht ganz, am gaumen dezente säure, weich, rund, soft, leicht, wenig frucht, ok aber eher langweilig...eindimensional. alkohol im vordegrund. 80 ist besser

1982: sehr verschlossen, ansatz von frischem pfirsich & korinthen, unklare nase, diffus etwas, tippe auf schleichenden kork (kein tca). am gaumen starke säure, schlank, kurz, etwas birne & reifer apfel. gegen ende verstärkt sich verdacht auf schleichenden kork.

1984: sehr dunkel, cognac, zigarren, melasse, touch dunkler honig - alles sehr dezent, etwas orangat & zitronat. am gaumen kurz, plump, süsse & dann etwas säure & weg. bisher der schwächste !

1987: helle farbe, relativ offen, grapefruit, reife ananas, sehr stark limone, hoher semillonanteil, dez. aroma von frischem heu, mit viel schütteln auch etwas karamell. am gaumen alkoholisch, wenig süsse, dezente säure, wenig boytritis, eher flach. leerer bitterer abgang...sehr ungewöhnlicher wein ?!!

1976: dunkle farbe, anfangs kompakte eher zurückhaltende nase, cognac, dunkler honig, creme brulee, kandierte orangen, feinstes karamell, lakritze, nach 1 std. explodiert die nase förmlich & wird weit...offen...komplex. am gaumen ?? erst komplette entäuschung (war damit in der minderheit), konzentriert aber eindimensional, etwas alkoholisch, steht lang am gaumen aber das wirkt sehr plumb, der wein gibt mir rätsel auf......versuche den wein so schenll als möglich nochmals zu verkosten.

1983: sehr dunkle farbe, offene konzentrierte nase, hochreife zuckermelone, kandierte ananas, creme brulee, bisquits, getr. feigen, tannenhonig, türkischer honig, reife bananen, die konz. nase von allen weinen, vanilleschoten, ölig, am gaumen konz. aber traumhafte süsse, ausladend & gaumenfüllend, kraft & eleganz in einem ! honig, karamell, toffee, sahnebonbons, dazu eine frische klare säure, laaaang & mit kolosalem abgang. klasse !! noch viel viel zeit vor sich. ich denke sicher noch 30+ jahre.

1988: schleichender kork, flache nase, flüchtige säure, cognac änlich, ?? eine woche vorher beim decanter tasting eine sensationelle flasche, welche zeigte dass der 88 erst am anfang seiner entwicklung steht. schade.

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Dienstag, 20. Dezember 2005
Rebensaft als Baukasten
Von wein-sigihiss, 21:52

EU stimmt Wein-Abkommen mit den USA zu

Das US-Weinrecht gestattet den Winzern beispielsweise, die teure und lange Lagerung im Eichenfass zu umgehen, in dem zur Anreicherung der Tannine edler Weine einfach Holzchips in Stahltanks geworfen werden. In den USA sind für Wein Produktionsmethoden zugelassen, die in der Europäischen Union verboten sind. Dazu gehören Wasserzusätze und die "Fraktionierung" des Weins, ein Schleuderverfahren, um die Bestandteile zu trennen und beliebig mit Aromazusätzen wieder zusammenmischen zu können. 

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Sonntag, 18. Dezember 2005
64 petrus - frz. abfüllung
Von wein-sigihiss, 21:55

abfüller: molleux / libourne, top shoulder, korken & kapsel sind echt

erstaunliche farbe - dunkles ziegelrot mit purpurroten reflexen, schmaler etwas hellerer rand. anfangs verhaltenes bouquet mit dezenten ledrigen & erdigen tönen. auch nach 25 min. immer noch verschlossen, leder-etwas trüffel, etwas lakritze.

frische säure welche am anfang etwas hervorsteht, wein wirkt nicht 41 jahre alt aber auch nicht sonderlich tief & interessant, satte antrocknende tanninstruktur, mit der zeit kommen etwas waldfrüchte raus. kraft & dichte sind vorhanden, abgang lang - etwas adstringierend, es fehlt die eleganz....noch, so hoffe ich. bis jetzt - 1 std. nach dem öffnen ein sehr guter...etwas an tiefe & komplexität fehlender wein, erste anzeichen von balance sind da,

nach 3 std: keine grosse änderung. mal schauen was der wein morgen bringt.

nächster tag: farbe jetzt mit braunen reflexen, nase ändert sich zu nasser erde - leicht muffig, kurz.

der gaumen steht nahezu gleich da, etwas runder alles - spannung fehlt etwas. es könnte durchaus ein schleichender kork sein - jedoch kein tca. wein trockent aus am 2. tag d.h. sperrige & ausgezerrt wirkende tannine. wein ist ok nicht mehr zu diesem zeitpunkt. nicht zu vergleichen mit einer original abfüllung. ich habe noch 1 fl. von diesem abfüller - bin gespannt. obwohl ich fast nur schlechte erfahrungen mit diesm abfüller gemacht hab.

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02 riesling kabinet - künstler
Von wein-sigihiss, 18:55

hochheimer hölle

nase mit mittlerer intensität, nasser schiefer, steinig, nicht so fruchtig wie der bercher am vortag, etwas mirabelle, etwas kräuter, gewisse tiefe & komplexität, touch pfirsich

kräftige säure, schöne dichte über den ganzen gaumen, süsse & säure ausbalanciert, wieder schiefer, pfirsich & mirabellenkerne, etwas feuerstein, saftig, frisch, mittlerer abgang, frischer von säure getragener abgang, sicher noch 4-5 jahre, ganz anderer typ als der bercher - jeder auf seine art sehr gut

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öchsle - sonst nichts...
Von wein-sigihiss, 14:01

14.12.2005
2005 - nur zweitbester Jahrgang?
Nach Ansicht des statistischen Landesamts Rheinland-Pfalz ist 2005 der beste Jahrgang der letzten Dekade - allerdings erst hinter 2003.

Drei Viertel der Erntemenge seien für Qualitätswein geeignet, teilte das Bad Emser Amt mit. Im Jahr 2003 seien es dagegen 90 Prozent gewesen. Damit bestätigen die auswertenden Beamten, dass sich in Praxis der offiziellen Qualitätseinschätzung in den letzten Jahren wenig geändert hat. Noch immer sind es vor allem die Zuckerwerte der Moste, die als Basis zur Klassifizierung eines Jahrgangs herhalten müssen.

quelle: wein-plus
irgendwann begreifen es auch die letzten......hoffentlich. mit solch einer pressemeldung zeigt man wie hoch die kompetenz in sachen weinbau ist.

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Samstag, 17. Dezember 2005
01 riesling kabinett trocken - weingut bercher
Von wein-sigihiss, 16:59

sasbacher limburg - 12%vol.

offene & intensive nase, zitronen, limonen, grapefruit, deutlich mineralisch - sogar kalkig obwohl kein kalkboden, hochreifes steinobst, touch nasser schiefer, schon feine reife,

schöne säure, klare frucht nach grapefruit-granny apfel-stachelbeere. eher dezente mineralik, saftig, am mittleren gaumen fehlt etwas dichte, mittellanger eleganter von grapefruit getragener abgang. toller badischer riesling der zeigt dass auch kabinette durchaus ein paar jahre der reife sehr gut vertragen. herrlich zu trinken - hat stil. kein knochentrockener wein -saftigkeit. sicher noch 3 jahre ein genuss !

ich habe schon den 99er kabinett sehr hoch bewertet

,

 

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Donnerstag, 15. Dezember 2005
sine qua non 2001 no 6
Von wein-sigihiss, 19:36

der 2001 pinot noir von hans krankl - no 6

komplexe & mittlere intensität der nase, getr. äste & zweige, getr. kräuter - oregano & tee, grüne walnüsse, frische feigen, etwas holunder, kein fettes bouquet - karger charakter, wenig rote früchte - dezente sauerkirsche, das bouquet riecht nach "gerbstoffen", kein typisch kalifornische nase - eher in richtung einer kälteren region.

am gaumen karg & deutliche säure, kalkig, erdig, viel weniger fett als der capella. wirkt noch verschlossen, sehniger pinot, mit charakter, voller körper, mineralisch mit satten tanninen, sauerkirsche, trockenes unterholz, etwas leder & grüne walnüsse, holzwürze, gewisse saftigkeit, braucht eine karaffe & sicher 2 std zeit, steht am anfang der entwicklung,

nach 2 std: der wein verschliesst sich nahezu komplett. wird abweisend.

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Deutsche Spätburgunder des Jahrgangs 1990
Von wein-sigihiss, 07:22

05.07.2005
Deutsche Spätburgunder des Jahrgangs 1990
Schon Damals!
von Sigbert Hiss und Marcus Hofschuster

Journalisten müssen sich äußern, von Berufs wegen, auch wenn sie vielleicht nur ein eingeschränktes Bild von dem haben, worüber sie gerade schreiben oder reden. Robert Parkers legendärer Verriss des deutschen Spätburgunders ist ein treffendes Beispiel für diese grassierende Berufskrankheit. Offenbar hatte der Punkteguru, oder sein Mitarbeiter, beim Verfassen seines letzten  Buches „Parkers Weinguide“ (2003) keinen blassen Schimmer. Dabei hätte er Zeit genug gehabt sich mit dem Thema zu beschäftigen. Deutsche Spätburgunder mit erstaunlichem Niveau gibt es nämlich spätestens seit 1990. Und sie waren nicht mal wirklich selten, wie eine ungewöhnliche Vergleichsverkostung in Liel im Markgräflerland ergab.

Fünfzehn Jahre alte Weine bekommt man aus Bordeaux, Rioja und Tokai ohne Probleme. Fünfzehn Jahre alte Spätburgunder aufzutreiben ist dagegen schon ein kleines Kunststück. Sigbert Hiss, Weinfachberater aus Liel, der zur Zeit in der Nähe von London lebt, hat sich aufgemacht, dieses Kunststück zu vollbringen. Das Ergebnis waren 24 Spät- und ein Frühburgunder aus dem Jahrgang 1990, alle aus Deutschland, die meisten aus Baden. Die Flaschen waren alle in hervorragendem Zustand. Sie kamen direkt aus den Archiven der Weingüter oder aus gut gepflegten Kellern, wie dem des Hotel Bareiss in Baiersbronn.

 

Schon der erste Flight, mit dem Arbeitstitel „Winzergenossenschaften und unbekannte Weingüter“, überraschte die Runde der Tester – die übrigens klein war, aber um so hochkarätiger besetzt: Marcus Hofschuster, Chefverkoster von Wein Plus, Jürgen von der Mark, selbständiger Önologe und Master of Wine, Zsolt Pekker, Redakteur der Nase des Markgrafen, Michael Schmidt aus London, ebenfalls Journalist und Mitarbeiter des Wine Report sowie Jürgen Dietsche, Weinkenner und ‑liebhaber aus Bad Krozingen. Gleich der erste Wein, eine Waldulmer Pfarrberg Spätlese vom Weingut Benz war sehr reif und im Rentenalter angekommen, aber doch besser als der Arbeitstitel erwarten lies. Etwas besser stand da der Gottenheimer Kirchberg vom Weingut Stefan Hess da, mit etwas mehr Restzucker, der ihm seine Rente etwas versüßte.

 

Weit besser als sein Ruf - Der deutsche Spätburgunder

 

Ähnliches und Besseres tauchte im späteren Verlauf viel öfter auf, als die versammelten Experten sich hätten träumen lassen. „Ich hätte nicht gedacht, dass nach fünfzehn Jahren noch so viele, nicht nur trinkbare, sondern ausgesprochen klasse Weine dabeisein würden“, sagte Sigbert Hiss. Natürlich gab es auch solche, die inzwischen stark abgebaut hatten. Die Spätlese vom Burkheimer Feuerberg (Weingut Bercher), der Tafelwein aus dem kleinen Eichenfaß von Salwey oder ein QbA aus der Magnumflasche vom Weinhaus Heger hatten ihre beste Zeit schon seit längerem hinter sich.

 

Einige der Weine ließen der Nase nach auf ähnlich abgelebten Zustand schließen, verblüfften aber am Gaumen mit intakter Struktur, Dichte und sogar kräftigen Fruchtaromen. So etwa die Auslese vom Burkheimer Feuerberg von Bercher, oder der Tafelwein R vom Weingut Rebholz, der sich durch eine sehr gute Balance auszeichnete.

 

Zwei Serien mit insgesamt 10 Weinen waren dem Kaiserstuhl gewidmet. In dieser Runde machte eine Spätlese vom Weingut Schneider (Endingen) den besten Eindruck. Die Weine wurden übrigens blind verkostet, erst nach der Diskussion der einzelnen Flights wurden die Namen der Ansteller aufgedeckt. Gemeinschaftspunkte wurden keine vergeben. Der Konsens war aber im Fall Schneider einstimmig.

 

Zu einer heftigen Kontroverse kam es über den QbA „R“ von Huber, der als einziger Breisgauer im zweiten Kaiserstühler Flight gelandet war. Der Wein präsentierte sich in tiefem Blauschwarz, mit sehr kräftigem Bukett, das die einen mit dunklen Früchten, Anis, Cassis und Holunder, die anderen mit aufdringlicher schwarzer Johannisbeerblüte und Deftigerem beschrieben. Am Gaumen präsentierte er sich mit ähnlicher Aromatik wie in der Nase – jeweils in gegensätzlicher Interpretation. Weitgehend Einigkeit herrschte über zwei Punkte: Dieser Wein, dem man die Jahre überhaupt nicht anmerkte, war der frischeste im Flight; für einen Spätburgunder zeigte er aber eine eher untypische Aromatik. Allerdings wies Sigbert Hiss darauf hin, dass Spätburgunder aus bestimmten Lagen – zum Beispiel vom Assmannshäuser Höllenberg im Rheingau– sehr oft einen Cassisnote aufweisen, diese also gar nicht so untypisch für die Rebsorte ist. In der 90er Probe fand sich diese Geschmacksrichtung noch deutlich bei zwei weiteren Weinen, den Auslesen von Marget und Kühling-Gillot.

 

Michael Schmidt verhängte trotzdem über den Huber ein „Einfuhrverbot“ für London. „Die Engländer kennen den deutschen Spätburgunder zu wenig; ein so untypischer Wein würde zu viel Verwirrung verursachen“, erklärte er sein Diktum mit einem Augenzwinkern. Sigbert Hiss hat es sich zur Aufgabe gemacht, den deutschen Wein im allgemeinen und den Spätburgunder im besonderen auch im Vereinigten Königreich bekannter zu machen. Dort soll diese Probe unter Beteiligung des „Wine Reporters“ Schmidt  & namhaften Journalisten, in Kürze wiederholt werden.

 

Eine weitere Überraschung des Nachmittags war der innerbadische Vergleich zwischen Markgräflerland und Kaiserstuhl. Da alle Weine während der ganzen Probe zur Nachverkostung zur Verfügung standen, wurde er mit großem Aufwand betrieben – eine halbe Stunde nahmen sich die Verkoster allein für die Gegenüberstellung der drei oder vier interessantesten Weine der beiden Regionen. Insgesamt war die Runde fast fünf Stunden mit den Weinen und ihrer intensiven Diskussion beschäftigt und konnten dabei auch die Entwicklung der Weine in den offenen Flaschen und im Glas in ihr Urteil einbeziehen.

 

Von den sechs Markgräfler Weinen beeindruckten eine Kirchberg Auslese von Soder (Istein), eine Auslese aus dem Hügelheimer Höllberg von Marget und eine Müllheimer Pfaffenstück Auslese von Dörflinger am meisten. Die Weine präsentierten sich gereift, aber voll auf der Höhe, mit typischer Pinot-Aromatik und schöner Struktur. Für einen Teil der Juroren standen sie mit dem besten Kaiserstühler auf Augenhöhe, für die anderen – etwa den Franken Hofschuster – hatten die Markgräfler die Nase sogar deutlich vorn. Jürgen von der Mark lieferte die mögliche Erklärung: „Daran sieht man, dass der Kaiserstuhl für Pinot gar nicht so ideal ist. In einem extrem heißem Jahr wie 1990 wird es auf den steinigen Böden schnell zu trocken und zu heiß. Das kühlere, feuchtere Markgräflerland bietet der Rebe dann die besseren Voraussetzungen.“

 

Auch bei den Markgräflern gab es einen Wein, an dem die Diskussion entbrannte. Die Hügelheimer Höllberg Auslese von Emil Marget fanden die einen grandios, die anderen – weil sehr untypisch – jenseits von Gut und Böse. Was den einen aufdringliche Siruparomen, waren den anderen fulminante Fruchtnoten gepaart mit Eleganz. Konsens herrschte wieder über die mangelnde Typizität; der Wein erinnerte eher an  Cabernet als an Pinot. Jürgen von der Mark fand eine prägnante Beschreibung: „In diesem Wein kommt die Dekadenz des Jahrgangs 1990 zum Ausdruck – und das ist doch wunderbar! Warum soll der Winzer nicht umsetzen, was ihm der Jahrgang bietet?“

 

Dass der letzte Flight aber auch die besten Badener – welche man auch immer vorn sah – übertraf, lag vor allem an den beiden Weinen von Fürst. Seine Spät- und Frühburgunder, letzterer vom Centgrafenberg, waren sicherlich die besten Weine der ganzen Runde. Der Spätburgunder verband ledrig-animalische Düfte mit Gemüsearomen, präsentierte sich am Gaumen frisch und mit perfekter Struktur. Der Frühburgunder kam etwas kantiger daher, sehr animalischen, anfangs mit käsigen & pilzigen Aromen und einem leicht salzigen Abgang. Michael Schmidt war begeistert: „Hier zeigt sich, dass der schwierige Frühburgunder, wenn er von einem Könner bearbeitet wird, dem Pinot noir ebenbürtig sein kann. Vor allem auf sehr mineralischen Böden kann er seine besonderen Stärken ausspielen.“  Nehezu auf Augenhöhe präsentierte sich ein Wein, der wohl mit für die größte Überraschung bei den Meisten Teilnehmern sorgte: die Auslese von Kühling-Gillot machte deutlich, dass auch Rheinhessen ein Wörtchen mitreden kann, wenn es um die besten und langlebigsten Spätburgunder Deutschlands geht.

 

Obwohl die Verkoster ohne Ausnahme als Kenner und Freunde des deutschen Spätburgunders bezeichnet werden können, waren sie doch alle überrascht, zu welchem Niveau es viele deutsche Winzer schon im Jahr 1990 gebracht hatten. Selbst einigen der überalterten, schon weitgehend oxidierten Weine war anzumerken, daß sie deutlich bessere Tage gesehen hatten. Ein Pinot noir, so fanden alle, war ja an sich nicht für die Weinewigkeit gemacht, und fünfzehn Jahre sind für diese Sorte selbst im Burgund ein stolzes Alter. „Vor allem aber muss man bedenken, dass die Winzer damals ja noch am Anfang ihrer Qualitätsentwicklung standen“, betonte Marcus Hofschuster. „Seitdem haben sie nochmal enorm zugelegt und sind noch sehr viel besser geworden.“ Vielleicht wird sich das im Laufe des 21. Jahrhunderts auch bis Amerika herumsprechen.

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Mittwoch, 14. Dezember 2005
biologisch - top winzer
Von wein-sigihiss, 21:20

einfach zum nachdenken fand ich eine kleine liste mit weltbekannten winzern, die ihre weine nach den prinzipien des biologischen anbaues oder gar den grundlagen von rudolf steiner produzieren. die winzer geniessen weltruf. bei zind-humbrecht & palacios konnte ich mich persönlich mit ihnen unterhalten - alles andere als spinner. ausser bio haben sie noch eines gemeinsam - das leuchten in den augen wenn sie über ihre weine bzw. deren produktionsmethoden erzählen. die weine sprechen für sich. um eines klarzustellen: viele wege führen zu weltklasse-weinen. . ..

burgund - leroy, comtes lafon und leflaive,

rhône:michel chapoutier

elsass:mark kreydenweiss, marcel deiss, andré ostertag, zind-humbrecht

loire: nicolas joly, 

österreich: nikolaihof,

Spanien: pingus, palacios,

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dr. heger 01 grauburgunder*** auslese tr.
Von wein-sigihiss, 20:28

achkarrer schlossberg

offene & tiefe fast dickliche nase, opulent, hochreife birnen, feine holzwürze, apfelkompott, touch von zimt, nach ca. 20 min. kommen reife bananen, orangenmarmelade & etwas grapefruit dazu, klasse, nach 45 min. kommen noch helle honignoten dazu. nach 2 std. wird das bouquet feingliedriger - nicht mehr ganz so kompakt.

nussige extraktsüüse am vorderen gaumen, schöne klare säure, gut eingebundener alkohol, alles in sehr guter balance. gute struktur,optimaler reifezeitpunkt mit noch weiteren 2-4 jahre auf diesem niveau (evtl. auch länger), feine aromen von bananen-wieder reifer birne-reife boskop-äpfel, voller körper, langer abgang mit gaaaanz dezeneter feiner walnuss-note. der wein ist vom vorderen gaumen bis zum abgang sehr gut abgestimmt ! barrique einsatz schmeckbar aber nahezu perfekt integriert.

nächster tag. flasche war über nacht offen im klimaschrank bei 8°C.

reife, fast musige, gelbe früchte wie mirabelle, quitte & sehr stark reife melonen. würzigkeit schwächer als am vortag. etwas filigraner aber immer noch fest. gewinnt an tiefe, komplexer,

am gaumen etwas runder, gleiche kraft wie am vortag, säure wirkt dezenter, langer abgang, barrique ebenfalls dezenter, mineralität viel deutlicher, auch am 2. tag klasse & stil.

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Dienstag, 13. Dezember 2005
vintage-wise von andré l. simon
Von wein-sigihiss, 12:42

daten: 1945 herausgegeben. basierend auf den aufzeichnungen von professor george saintsbury's

notes on an cellar book - 1920 herausgegeben. saintsbury war ein sprichwörtlicher genießer - er liebte es mit freunden gut zu essen & zu trinken. anscheinend gab er wohl viel geld für essen & wein aus. die ersten notizen beginnen meist mit dem 1840er. weine wie sherry - port - madeira - claret (bdx) - burgunder - champagner - riesling - weißweine frankreich. da steht dann daß 1840 ein sehr guter portwein jahr war. 1841 hingegen a complete failure. oder 1856 another complete failure owing the oidium. der 1858er claret war wohl sehr gut - oidium hatte man im griff in diesem jahr. daß es auch im 19. jahrhundert schon marktschwankungen gab zeigen folgende notizen:

1868 - fine quality & very high prices

1869 - very fine quality at relatively low prices

beim 1864er steht: all 64's...were in perfection....the highest praise for pichon-longueville & the montrose. da bin ich wohl exakt 100 jahre zu spät auf die welt gekommen.

am ende des buches findet man ein paar menü's & die weine die dazu. zwei beispiele - besonders das zweite ist interessant aus deutscher sicht - dazu:

I the place: 24, mark lane / the date: december 20, 1906 / the guests: a.s. gardiner, w.g. masters, l. greenwood, h.m. percy, j.h. hewitt. h.h. williams, c.k. randall, j. donelan, toby folks

the fare: huitres natives - barbue au gratin, sauce champignons - dinde ritie aux marrons, pommes nature, choux de bruxelles - christmas pudding - mince pies - fruits - cafe.

the wines: chablis moutonne 1893 - pommery & greno 1893 nature - haut-brion 1864 - hine's vvsop 1870

II the place: the grange, norbiton / the date: february 28, 1914 / the guests: ina & hilda campbell, charles rolfes, w.h. garrett, henry schiller, h. molitor moll. 

the fare: huitres de whitstable- potage - saumon d'écosse- ris de veau- agneau de pauillac - poulets de surrey - savoury - dessert- cafe.

the wines: amontillado, bottled 1897 - chablis la moutonne 1893- d'yquem 1869- eitelsbacher karthäuserhofberg auslese 1893 - pommery 1889 - leoville 1871 - richebourg 1878 - forster jesuitengarten auslese 1900 - marcobrunn auslese 1880 - croft 1858 - fine brown sherry, solera 1860 - hine's 1848.

dieses buch zu lesen war für mich ein hochgenuß. was damals getrunken wurde.....wie die weine gesehen wurden....was zu den weinen gegessen wurde.....mich fesselt so was regelrecht. wahrscheinlich bin ich der einzigste, oder etwa doch nicht ?

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holzchips
Von wein-sigihiss, 07:45

noch keine chips für den wein
bis auf weiteres dürfen europäische weine nicht mit eichenchips hergestellt werden.
die europäische kommission wird zunächst keinen antrag ins parlament einbringen, den weinausbau mit chips zu erlauben. Ein entsprechendes ersuchen italiens sei nicht rechtzeitig genug eingegangen, hieß es aus brüssel. voraussichtlich wird eine entscheidung über dieses in europa neue, in anderen teilen der welt sehr gebräuchliche verfahren nun erst im jahr 2007 wirksamkeit erlangen.

quelle: wein plus
 

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Montag, 12. Dezember 2005
85 grand-puy-lacoste
Von wein-sigihiss, 11:51

vorab - ich weiß nicht warum der wein so günstig zu haben ist. zwischen 60 - 85 € bekommt man diesen wein beim händler. für mich einer der top weine des 85er jahrganges. bei diesem chateau besser als der 1986er.

erste nase war etwas muffig...nasser waldboden. nach ca. 10 min. öffnete sich alles mit herrlichem leder, etwas balsamisches, reifes pflaumenmus, laub & bleistiftnoten. was ich an reifen bdx so liebe zeigt sich eben hier wieder - klassisch im allerbesten sinn. sehr weiches & samtiges bouquet. schmeichler. wird nach 30 min. mit reifen roten früchten noch komplexer. klasse. etwas zum dasitzen und genießen.

am gaumen exakte fortsetzung der nase. alles sehr weich, balanciert & mit hoher eleganz. auf dem höhepunkt mit weitern 10 jahren auf diesem oder etwas reiferem niveau. perfekte säure gepaart mit sehr weichen & samtigen tanninen. lange und weit angelegte struktur welche aber eher feingliedrig wirkt. noch deutlich kraft im hintergrund. saftig im besten sinne. reife waldfrüchte, auch sehr reife erdbeeren & wieder etwas balsamisches. paßt hervorragend zu dem in cognacsoße zubereiteten kalbsfilet. die restliche 2 flaschen hab ich mir im restaurant gleich reservieren lassen.

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Samstag, 10. Dezember 2005
blandy's gran cama de lobos 1864 - solera
Von wein-sigihiss, 16:07

ich werde den wein sicher über ein paar wochen probieren & dann immer wieder meine notizen reinstellen.

also ich muss schon zugeben das ich beim öffnen solch alter weine immer noch erwartungsvoll bin wie beim ersten mal. auch wenn es kein vintage ist, hat die flasche sicher 40-50 jahre. wenn ich mir vorstelle dass diese solera genau 100 jahre VOR meinen geburtsjahr angelegt wurde, ist das etwas was mich fasziniert.....respekt haben lässt. schon aus der flasche strömt es nur so heraus. getrocknete feigen & datteln dazu. feuertstein & schiefer kommen dazu. feiner reifer käse.... pistazien, salznoten. ich bin fasziniert !

nase: geröstete nüsse & gumminoten (fahradschlauch mit talkum). sehr konzentriert alles. auch gebrannter zucker & flüchtige säure (pattex) was aber durchaus normal ist bei reifen madeiras. konzentrierte datteln & feigen. brioche & frischer hefezopf. unglaublich komplex schon am anfang - sagenhaft !!

am gaumen prägnante säure gepaart mit hohem extrakt. druck...frische...intensität. perfekte balance von süsse & säure & alkohol. laaaaang.....steht minuten lang am gaumen. gewürze wie nelken....etwas zimt. touch zwetschgenmus. so jetzt kommt die flasche weg.

14.12.05

ich habe den wein heute wieder blind verkostet & mit den ersten notizen verglichen - fast - nicht ganz identisch. einzig die säure wirkte heute härter als beim ersten probieren.

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Freitag, 09. Dezember 2005
2002 inkognito - toni hartl / burgenland
Von wein-sigihiss, 08:51

cuvee aus c-s, zweigelt, c-f, merlot, blaufränkisch,

offene & dichte nase, unmengen an cassis & blaubeeren, dunkeln kirschen gepaart mit deutlicher röstaromatik wie süßholz-schoko- bzw. nougat-karamel. wirkt fett, alles sehr konzentriert, nach einer std. kommen etwas mineralische noten & schwarzer pfeffer dazu. am 2 tag wirkt alles weniger aufdringlich aber dadurch auch eleganter - aber immer noch ist alles sehr massiv.

am vorderen gaumen ist eine enorme extraktsüße vorhanden - so deutlich daß man im ersten moment an rz von 5-7 g/l oder mehr glauben könnte - die süsse kommt aber eindeutig vom hohen extrakt. erster gedanke: wenn sich das bis zum abgang hinzieht ist der wein einfach nur satt...fett....gemacht.....überextrahiert & somit eher langweilig. aber zum mittleren gaumen hin kommt er trockener daher...die reife säure stützt ihn sehr gut....das zwar reife aber satte tannin bringt struktur......spürbarer alkohol den der wein aber auch braucht um den enormen extrakt wegzupacken - sonst wäre es nur noch roter saft - süß & süffig. mineralik, etwas kalkiges & unterholz dominieren den abgang der sehr sehr lang ist. alles in allem ein wein der hervorragend gemacht ist. wirklich interessant wird der wein erst ab 2009. wobei er entweder wirklich groß wird - wozu ich eher tendiere - oder in 4-5 jahren sich zum langweiler entwickelt. etwas weniger konzentration von allem hätte zumindest nicht geschadet.. ein typischer rotwein aus österreich, nämlich im internationalen stil produziert- in top qualität.

 

 bericht zum 03: http://sigihiss.beeplog.de/19384_61787.htm

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Donnerstag, 08. Dezember 2005
erste sizilianische DOCG
Von wein-sigihiss, 14:03

mit dem jahrgang 2005 erhält der cerasuolo di vittoria & der cerasuolo di vittoria classico die DOCG. unter anderem ist vorgeschrieben, dass

* traubensorten: 50-70% nero d'avoal & 30%-50% frappato

* höchstertrag ist 8000 kg / hektar für den classico

* mindestens 13% vol. für den classico

* verkauf: ab dem 1. juni des folgenden jahres für den nicht classico & frühestens ab dem 1. april  im zweiten jahr nach dem erntejahr für den classico

quelle: merum

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schnellste abfüllanlage in australien
Von wein-sigihiss, 13:46

in australien wurde die schnellste abfüllanlage für wein in betrieb genommen. 36.000 fl. / std. können mit dieser anlage abgefüllt werden. bei einem 24 std. nonstop betrieb wären das 864.000 flaschen. die anlage gehört casella wines - einem weinerzeuger, der unter anderem die bekannte weinmarke yellow tail produziert. in anbetracht das yellow tail 144 millionen flasche darstellt, macht diese anlage mehr als sinn.

quelle: merum

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Dienstag, 06. Dezember 2005
london - broadbent - chateau latour
Von wein-sigihiss, 14:14

es gibt in london einen relativ jungen wine-club, der mit sehr seltenen proben aufwartet. alles sehr locker - mit weinliebhabern wie auch mit leuten die ihr geld mit wein verdienen. die proben werden meist von einem bekannten experten auf dem jeweiligen gebiet moderiert - meist sind dies mw's. hier war michael broadbent der moderator. die weine wurden 1 std. vorher dekantiert.

 1926:1998 neu verkorkt auf dem chateau. oxidierte nase, fino-sherry, pistazien, müde, etwas ranzig & käsig. der gaumen ist viel besser, trocken, mit ausgezehrter frucht, austrocknende tannine aber mit einer sensationellen balance, seidig, samtig, hat eleganz, grazile & feingliedrige struktur, aber auch einen medizinalen touch, nicht mehr sehr lang, aber für dieses alter ein toller wein - frage ist: was hat das neu verkorken gebracht oder nicht gebracht ? der wein steht so über 2 std. im glas - also kein zusammenbrechen ! dieser jahrgang war übrigens extrem teuer zu jener zeit.

 1964:sehr frühe ernte damals. sehr reife nase, zigarren, cognac touch, würzig - soja & liebstöckel, aber auch intensive käse & oxidations-noten, flüchtige säure, am gaumen noch kraft & süße, hervorstehende säure, etwas von port, leicht austrocknendes tannin, gute balance aber eindeutig auf dem absteigenden ast. noch gut trinkbar aber bitte schnell - der wein zerfällt nach 30 min.

 1966:dezente nase, ansätze von cassis, etwas lebkuchengewürz, ansätze von reife, zedernholz, mit der zeit wird alles offener & soja, reife rote kirschen & leder kamen dazu. am gaumen eine reife säure, samtige feine tannine, wunderbare balance, eleganz pur, langer mineralischer & filigraner abgang. wirkt viel jünger als 1964 & hält sich auf diesen level noch ein paar jahre.

 1971:sehr dunkle farbe, kompakte, feste nase, rauchig, röstaromen, frischer tabak, nach 30 min. öffnet sich das bouquet mit erdigen, schokoladigen & etwas trüffeligen aromen - klasse. am gaumen gradlinig & etwas streng wirkend, hervorstehende säure welche den wein in naher zukunft dominieren wird, reifes tannin, spürbare mineralität, komplex & tief, ganz leichte anzeichen von oxidation - was in diesem stadium nicht schlimm ist. lang.

 1978:sehr verschlossen dann aber ansätze von eleganter nase, getr. kräuter, balsamico noten, leder. am gaumen austrocknende tannine, kurz, wirkt ausgezehrt & karg, jedoch keine oxidation, ein wein bzw. flasche der den jahrgang 1978 in bdx sehr gut zeigt.

 1982:zeigt deutlich den vollreifen jahrgang in der nase, voll, offen & zugleich kompakt, kühle minze, hochreife schwarze johnannisbeeren, frische kräuter, reifer roter paprika, fett wirkend, - somit etwas "oberflächlich", nach 1 std. wird alles komplexer, tiefer mit bleistiftnoten, kalkig, austernschalen - oberflächlichkeit geht komplett verloren. am gaumen kraftvoll, konzentriert, sattes tannin, reife säure, cassis, hochreife schwarze kirsche, getr. kräuter, etwas balsamisches, rumtopf noten. langer kraftvoller abgang. mindestens noch weitere 10-15 jahre.

 1989:verschlossen, etwas zedernholz & dezente vanille, wenig rote frucht, auch nach 1,5 std noch verschlossen, am gaumen elegant, gute balance, reifes tannin, reife säure, irgendwie sehr dicht trotz der verschlossenheit, auch hier wirkt der wein etwas zurückgezogen, trockener langer etwas adstringierender abgang. momentan zu aber sicher noch 15-20 jahre

 1990:eher zurückhaltende nase, etwas rote himbeeren, erdbeeren & cassis, auch erdig & unterholz - braucht viel luft !! nach 2 std. erahnt man wie der wein nach 1 tag in der karaffe sein wird - grossartig. am gaumen power, kraft & große struktur, säure-alkohol-extrakt-tannine bilden ein festes fundament, hochreifes lesegut anzeigend durch amarenakirschen-rumtopf-etwas kräuter der provence. reife erdbeeren, alles in einer kompakten balance, druck am gaumen, sehr lang & etwas walnüsse im abgang. noch viel zeit vor sich...20-30 jahre.

 1996:sehr dunkel farbe, offen, junge rote frucht, feine würzige barique-noten, mineralität, pfeffer & roter paprika, kirsche, dichtes und kompakte nase. am gaumen druck-power, satt, hoher extrakt, reife schwarze & rote früchte, jung, ungestüm, alkohol spürbar, zu jung, mit sehr großem potential.

 !! die probe war ein erlebnis  - sowohl die weine wie auch michael broadbent !! 

 

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Montag, 05. Dezember 2005
sauternes 1926 - 42 - 47
Von wein-sigihiss, 10:24

kurzer besuch am samstag nachmittag bei jürg richter - ein sauternes experte und freak. er veranstaltet ca. 1x im jahr extrem seltene sauternes degustationen (siehe unter links).

wir wollten eigentlich nur ein paar flaschen wein abliefern...... schon standen da ein

1926 filhot (1/2 perfekte flasche, direkt vom chateau): kork, flach, dünn, indiskutabel.

1942 Lafaurie-Peyrague: sehr gute farbe, offene & komplexe nase nach tabak-dunkler honig-rosinen. creme brulee im hintergrund, tiefe und klasse. am gaumen deutlich gealtert. hervorstehende säure, alkohol & wenig süsse zeigen dass der wein richtung ende zugeht. am mittleren gaumen hört der wein auf zu leben - heisst sehr kurzer abgang. aromen von melasse & malz dominieren. er wirkt aber immer noch trinkbar - nichts was man auschütten muss !!

1947 Doisy Daene: sehr gute farbe,anfangs eher dezente leicht dumpfe nase, jürg meinte der wein braucht luft & etwas zeit - er hatte recht. der wein wird offener und tiefer. es entwickelt sich eine kompakte nase mit vanilligen tönen, etwas gerste & dezentes malz. am gaumen ein noch sehr fester & kompakter wein der auch hier mit der zeit deutlich zulegt und offener wird. er wird feingliedriger. gute süsse & säure. auch hier vanillige noten, sahnig. lang & druckvoll im abgang. ich sehe den wein besser als jürg und denke er wird sich in diesem zustand noch sicher weitere 5-8 jahre halten. toller wein.

kommentar meiner frau zum 47er doisey daene, welche süssweine nicht unbedingt zu ihren lieblingsweinen zählt:"...das kann man schon ab & zu trinken.."..ja dann !

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Sonntag, 04. Dezember 2005
baden 2003 basisweine
Von wein-sigihiss, 18:02

gerade komme ich von einer degustation für ein restaurant. basisweine und eine stufe darüber. jahrgang 2003 und einige 2004er. sowohl rot als auch weiß. insgesamt 35 weine. weine von eher unbekannten winzern, genossenschaften und einem sehr bekannten weingut. nicht neu ist, das 2003er, wenn kein qualitätswinzer am werk war, weine hervor brachte, welche nicht lange zu leben haben bzw. hatten - schwerpunkt auf hatten. nahezu perfekt wurde dies wieder einmal mit diesen 03ern belegt - grausam zerfallene weine. uta fürs schulbuch !! mürbe, teilweise auch stinkige nach mist riechende weine. scharfe stechende säure.....blanker alkohol......null extrakt.....karamellnoten......phenolische bitterkeit.

das wirklich schlimme daran ist, daß die weine auf anfrage dem restaurant zugeschickt worden waren. es sollten weine für den offenausschank zugesendet werden. in der hoffnung, daß dort evtl. ein restaurant-besitzer die weine probiert, der nicht merkt daß er tote oder fast verdorbene weine einkauft. in der hoffnung doch noch die altlast aus 2003 loszuwerden. in der hoffnung, daß die leute dümmer sind als die polizei erlaubt - wie man so treffend im badischen sagt. daß

*dieses verhalten zum bumerang wird und kunden solche betriebe in zukunft ignorieren

*so etwas ihr gebiet im besonderen  und den deutschen wein im allgemeinen schädigt

*die kunden zu den so oft zu recht gescholtenen aldi und gallo getrieben werden

kommt ihnen nicht im entferntesten in den sinn. sehr kurzfristig gedacht nennt man so was oder wurde da  überhaupt.....

 gruß   sigi

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Samstag, 03. Dezember 2005
terroir - begriffsdefinition
Von wein-sigihiss, 10:52

der begriff terroir ist in aller munde, auf jedem stück papier, auf jedem bildschirm, wo man sich  irgendwie mit wein befasst. da wird über terroir diskutiert, sehr oft in dogmatischer und ideologischer art und weise - was nicht wirklich sinn macht. dass die beteiligten oft aneinander vorbei reden, merken die wenigsten oder wollen es nicht merken. aus meiner sicht liegt das nicht gerade selten daran, dass der begriff des terroirs nicht einheitlich definiert ist - selbst in frankreich findet man allerlei zusammensetzungen. für mich setzt sich der begriff terroir aus

boden-klima-rebsorte-tradition-mensch

zusammen. natürlich mit unzähligen unterteilungen jedes dieser begriffe. das ist beileibe nichts neues, aber auch nichts einheitliches. leider...

eine für mich nahezu perfekte definition findet man bei norbert tischlmayers glossar bei wein-plus - wobei mir beim dort zu findenden zitat von bruno prats der einfluss des menschen fehlt.

Eine sehr schöne Definition stammt vom bekannten französischen Winzer Bruno Prats, dem Besitzer des Château Cos d´Estournel im Médoc: Der ganz und gar französische Begriff Terroir erfasst alle natürlichen Voraussetzungen, die die Biologie des Weinstocks und demzufolge die Zusammensetzung der Traube selbst beeinflussen. Terroir ist das Zusammentreffen von Klima, Boden und Landschaft, das Zusammenwirken einer unendlichen Anzahl von Faktoren: Nacht- und Tages-Temperaturen, Niederschlags-Verteilung, Sonnenschein-Stunden, Hangneigung und Boden-Durchlässigkeit, nur um einige wenige zu nennen. Alle diese Faktoren reagieren miteinander und bilden in jedem einzelnen Teil eines Weinbaugebietes das, was der französische Winzer Terroir nennt.

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Freitag, 02. Dezember 2005
wissenschaft der champagner-bläschen
Von wein-sigihiss, 13:25

das buch von gerard liger-belair "entkorkt!" befaßt sich mit einem - auf den ersten blick & wohl auch auf den zweiten - nicht sonderlich wichtigen thema der weinwelt: wie ist das eigentlich mit den bläschen in den champagnern....cava's.....sekten...usw. man muß sich schon sehr mit dem sprudelnden teil der weine befassen, damit einen dieses buch wirklich fesselt. was bei mir eindeutig der fall ist. das buch verbindet meiner meinung nach wissenschaft mit wein und lesespaß perfekt.

es wird sehr detailliert erklärt, wie sich die bläschen bilden, wie sie im glas aufsteigen und was mit ihnen an der oberfläche passiert. alles mit sehr hochwertigen fotos von hochgeschwindigkeits-kameras ergänzt, die wirklich beeindruckend sind. festgestellt wird, daß die bläschen nicht durch rauhe oberflächen oder unregelmäßigkeiten auf den glasoberflächen entstehen, sondern durch zylinderförmige cellulosefasern. die wiederum stammen von papier oder stoffen in der umgebung des glases, wo sie sich losgerissen haben.

 warum zischt der champagner? wie schnell steigen die bläschen auf? warum werden die bläschen größer je höher sie steigen? vergleich von bier & champagner....alles fragen die beantwortet werden und zwar so, daß es auch ein nichtchemiker versteht.

 

 für mich ein tolles buch               gruss   sigi

 

würde man einen  champagner in ein völlig von cellulosefasern freies glas einschenken, würde der champagner NICHT schäumen. moet-chandon hat ein solches experiment gemacht - der champagner sah aus wie ein stillwein.  

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Donnerstag, 01. Dezember 2005
sine qua non 2000 a cappella
Von wein-sigihiss, 21:53

mein erster "krankl" wein - a cappella, ein 2000er pinot aus oregon. die flaschenform und das etikett sind sehr eigen - aber es passt zusammen und hat das gewisse etwas.

ebenso wie der wein. der erste schluck  - oje schon wieder ein sehr softer & gemacht wirkender wein - war mein erster gedanke. aber nach ca. 20 minuten ändert der wein seine richtung und gewinnt an tiefe und komplexität. er hat ansätze in der nase, die teilweise an deutsche top spätburgunder erinnern - das ist ein kompliment für den kalifonier.... sehr offene und tiefe nase mit sehr gut eingebundenem barrique....dezentes zedernholz & etwas lakritze. der pinot ist in der nase sehr gut erkennbar, also kein wein, der seine traubensorte mit aller gewalt versteckt. aber es wirkt doch alles sehr perfekt und abgestimmt - was nichts negatives ist, denn hier hat das eine seele. übrigens der jahrgang des el nino.....das waren keine guten erinnerungen.

der wein überzeugt mit einer schönen balance am gaumen. alles ist in seidenpapier eingepackt......die tannine....die säure.....die dezente mineralität. ein powerwein mit eleganz & stil. mit jürgen v.d.m. hätte ich wahrscheinlich wieder die tollsten & kontroversesten diskussionen um den wein...ich glaube er sähe ihn gaaaaanz anders  :-))). mit sicherheit ein wein der vielen - nicht allen - gefallen wird. sicher kein wein, der aneckt oder der einem erstmal eins auf die mütze gibt und erst nach dem "zurückhauen" etwas netter wird. ein kalifornier mit tiefe und erkennbarkeit - das ist doch schon was, oder ?

gruss   sigi

sine qua non ist ein begriff aus der rechtswissenschaft und besagt soviel wie, dass jeder Umstand kausal ist, der nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg entfiele.....ich geb zu ich hab im lexikon nachgeschaut.

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Von wein-sigihiss, 19:55

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